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generation unheilig!?

Plakat des Laboratoriumsgottesdienst am 18.11.2011

Am Freitag, dem 18.11.2011, findet unter der Überschrift »generation unheilig!?« der nächste Gottesdienst in der Reihe »Laboratorium – gottesdienst anders« statt. Der Gottesdienst beginnt um 19.30 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche in Altenoythe. Im Anschluss an den Gottesdienst sind die Teilnehmer zum »Nachklang« in das Karl-Borromäus-Haus (an der Zufahrt zur Kirche) eingeladen. 

Thematisch geht es in diesem Gottesdienst um »Heilige« und »Heiligkeit«. Die Erfahrungen in der Planungsphase haben das Vorbereitungsteam bestärkt, das Thema anzugehen. Heilig? Ja, sicher – die im Heiligenkalender! Gutmenschen ohne Fehl und Tadel! Ich? Nein! Oder doch? Irgendwie? – Aber lieber nicht … Heilig – kein einfaches Wort in dieser Zeit – aber vielleicht ein wichtiges, weil es Folgen für das Leben haben könnte. Der Gottesdienst »mit Handy und rotem Sofa« schafft Raum zur eigenen Auseinandersetzung, bietet Möglichkeiten der Beteiligung, provoziert, bietet »andere« Perspektiven an.

In der vergangenen Woche wurden Interviews für den Gottesdienst aufgezeichnet. Kurzfilm, Bilder, biblische und andere Texte nehmen die Gottesdienstbesucher mit auf eine kleine Reise, bei der sie sich selbst, ihnen persönlich wichtige Menschen und Gott in den Blick nehmen können. 

Musikalisch wird dieser Gottesdienst von Klaus-Dieter »Zebu« Hildebrandt (Friesoythe) und Heiner Kemme (Lindern) unterstützt. Instrumentale Passagen, Lieder zum Hören und Lieder zum Mitsingen interpretieren und ergänzen auf eigene Weise das Thema. 

Nach den positiven Rückmeldungen zu den bisherigen fünf Gottesdiensten dieser Reihe hat sich das Vorbereitungsteam entschlossen, dieses Projekt weiter fortzusetzen. Bei einer Klausurtagung in den Herbstferien wurden die ersten Planungen für das Jahr 2012 vorgenommen. Mit dem Projekt »Laboratorium – gottesdienst anders« möchte die Katholische Kirchengemeinde St. Marien Friesoythe besonders Menschen ansprechen, die sich mit dem klassischen Gottesdienstangebot schwertun, die auf der Suche sind (vielleicht auch nach einem neuen Anfang) und die einfach Interesse an »anderen« Gottesdienstformen haben. Dieses Projekt wird vom Offizialat Vechta mit Mitteln aus dem Fonds »gute idee« (Fonds zur Förderung innovativer pastoraler Projekte im Offizialatsbezirk Oldenburg) unterstützt. 

Vorbereitungsteam: Pfr. Ulrich Bahlmann, Gabi Tepe, Sabine Orth, Anja Runden, Anette Jahn, Mechthild Hanisch, Martin Kröger. 

 

»… ich könnte noch stundenlang sitzen bleiben.« 

150 Gottesdienstteilnehmer zwischen 15 und 75 besuchten Laboratoriums-Gottesdienst

Anderthalb Stunden Gottesdienst – eine eher lange Zeit für einen Gottesdienst – aber keine zu lange Zeit: »Das ist mir gar nicht so lange vorgekommen.« Für dieses Gefühl war nicht zuletzt die wunderbare musikalische Unterstützung durch Klaus-Dieter Hildebrandt (Gitarre), Heiner Kemme (Keyboard/Gesang) und Lisa Rademacher (Gesang) verantwortlich – drei Musiker, die sich wunderbar aufeinander und auf den Gottesdienst eingestellt haben. 

19.30 Uhr: Klaus-Dieter Hildebrandt zupft die ersten zaghaften Töne. Es braucht einige Takte, um die Mitte des 16. Jahrhunderts entstandene Melodie einzuordnen: GL 640 »Gott ruft sein Volk zusammen«. 

Dann das erste Kapitel aus dem Römerbrief: »An alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen…« Eine Anrede, die Paulus in seinen Briefen immer wieder verwendet. Eine Anrede an Lebende, an ganz normale Menschen mit all ihren Schwächen und Fehlern und mit all ihrer moralischen Unvollkommenheit. Nirgendwo ist gegen diese Anrede ein Einspruch überliefert. 

Bei der Planung des Gottesdienstes hat das Team festgestellt, dass die Anrede »berufener Heiliger« eher Verwunderung oder gar Abwehr auslöst. Die Anrede ist auch nicht leicht anzunehmen, wenn damit z. B. die Erfüllung höchster moralischer Standards verbunden werden. Der einzig Heilige ist Gott selbst, er gibt Anteil an seiner Heiligkeit und ruft Menschen in seine Sphäre. Die Frage ist, ob wir diesen Anruf wahrnehmen und wie wir darauf antworten. 

Der Kurzfilm »Ernst und das Licht« zeigt einen Menschen, der keinerlei Anruf zulässt. Im Film sucht Jesus selbst diesen Menschen auf, aber Ernst ist nicht zu erschüttern. Nur das Handy, das Jesus im Film wieder »heile« macht, macht Ernst nachdenklich: »Er hat mein Handy repariert.«

Noch einmal GL 640 in der wunderschönen, nach Renaissance klingenden Spielweise, und dann nimmt »Ernst« (Ulrich Bahlmann) auf dem roten Sofa Platz. Sabine Orth konfrontiert Ernst mit einem kleinen Streifzug durch die Bibel: Gott tritt auf vielfältigste Weise in das Leben der Menschen. Bilder von Sieger Köder stützen – aber Ernst bleibt fixiert auf die Erfahrung, die ihn beschäftigt: »Er hat mein Handy repariert.« So verwundert die Schlussfrage keineswegs: »Ernst, was machst Du mit dieser Erfahrung?« Eine Frage, die wohl alle angeht. 

Nach einem Gebet werden Interviews eingespielt. Menschen aus Friesoythe wurden befragt, wo sie Gott heute am Werk sehen und wer für sie heilig ist. Gott ist am Werk, so der einhellige Tenor und Heiligkeit gibt es neben den kanonisierten Heiligen auch im Alltag … 

Die ersten Klänge von »Du bist heilig, du bringst Heil« leiten über zu einem Schrifttext aus dem Markus-Evangelium. Annette Jahn liest die Perikope von »der Heilung des Mannes mit der verdorrten Hand«.