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Als die Hollywoodschaukel vor der Kirche stand

Das „Laboratorium – gottesdienst anders“ feiert sein 15-jähriges Bestehen. Am 14. August lädt die Reihe zum Jubiläumsgottesdienst in die Dreifaltigkeitskirche Altenoythe ein.

Ein Schlagzeug und eine Posaune begleiten die Passion, ein rotes Sofa steht im Gottesdienstraum, 200 kleine Holzkreuze auf dem großen Karfreitagskreuz, eine Hollywoodschaukel unter freiem Himmel: Das Laboratorium hat in den vergangenen Jahren Bilder geschaffen, die vielen Besucherinnen und Besuchern geblieben sind. Seit den Anfängen im Jahr 2010 versteht sich die Reihe als Probierraum für Menschen, die religiöse Fragen beschäftigen, sich von klassischen Gottesdienstformen aber nicht immer angesprochen fühlen. Neue Musik, ungewöhnliche Raumgestaltungen, Filme, szenische Elemente und die Beteiligung der Gemeinde sollen biblische Texte mit heutigen Erfahrungen ins Gespräch bringen.

Dabei konnten die Laboratoriumsgottesdienste leicht und spielerisch sein. Bei „feel go(o)d“ empfing eine Cocktailbar die Gäste, ein Wahrnehmungstest schärfte den Blick für übersehene Hoffnungszeichen und die Schöpfungsgeschichte erklang in einer „Twitter-Fassung“. Der Valentinstagsgottesdienst „Crazy little thing called love“ verband Songs von Quadrophenia mit einem Schattenspiel zur Geschichte von Rut und Boas, einer Paarzeit unter Regenschirmen und der Möglichkeit, den Abend bei einem Menü zu zweit fortzusetzen. Beim „Kundschafter“-Gottesdienst kam der damalige Weihbischof Heinrich Timmerevers nach Altenoythe. Unter dem Leitwort „Neuer Wein in alte Schläuche?“ erkundeten Gottesdienst und Gespräch, welche Räume und Formen der Glaube künftig braucht. Im Advent 2014 ersetzte eine Leiter den Adventskranz und führte zu einer anderen Krippe. „Aber Glaube“ griff ausgerechnet an einem Freitag, dem 13., schwarze Katzen, zerbrochene Spiegel, Horoskope und Glücksbringer auf. Beim Freiluftgottesdienst „himmel“ 2016 brachten Besucherinnen und Besucher ihre Sitzgelegenheiten selbst mit: vom Küchenstuhl bis zur Hollywoodschaukel. Für „Perspektive Lieblingsplatz“ befragte das Team Menschen per Video: „Wo wohnt Gott in Friesoythe?“ 

Andere Gottesdienste blieben durch ihre Schwere in Erinnerung. „passion | passion | saxophone“ führte die Gemeinde durch drei eigens gestaltete Bereiche der Kirche und erzählte die Passion nacheinander als historische, biblische und persönliche Geschichte. Bei „Das ist heute.“ wurden die Markuspassion und Filmszenen über die ermordeten Trappistenmönche von Tibhirine miteinander verschränkt; die dunkle, beinahe erdrückende Atmosphäre machte die Leidensgeschichte als Gegenwart erfahrbar. Der Gottesdienst „Warum immer noch?“ bedeckte das vertraute Karfreitagskreuz mit 200 aufgenagelten Holzkreuzen. „aus!“ nahm 2018 den Karfreitag bewusst ohne tröstliche Osterperspektive in den Blick. In der spartanisch gestalteten Kirche standen die Reaktionen der Menschen unter dem Kreuz im Mittelpunkt; die Nägel, die in die Balken geschlagen wurden, waren in der ganzen Kirche zu hören.

Zur Laboratoriums-Geschichte gehören auch Brüche. Der Valentinstagsgottesdienst im Februar 2020 blieb für gut zwei Jahre der letzte Laboratoriumsgottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche. In diese Zeit fielen die Corona-Pandemie und 2021 der Unfalltod von Pastoralreferent Martin Kröger, der die Reihe maßgeblich geprägt hatte. Zugleich verlor das Team weitere Mitglieder und musste sich neu aufstellen. Dass im April 2022 mit „drums & passion“ ein neuer Gottesdienst stattfand, war daher keine Selbstverständlichkeit. Seitdem entstanden weitere prägnante Bilder: Beim Open-Air-Gottesdienst „Aufbruch“ verbanden sich anonyme Interviews mit Bibeltexten und persönliche Brüche mit neuen Wegen. Bei „Lass es Liebe sein“ dekonstruierte das Vorbereitungsteams typische rosarote Klischees.

Solche Gottesdienste entstehen nicht allein am Vorbereitungstisch. Wir danken deshalb von Herzen allen Weggefährtinnen und Weggefährten: den vielen Musikerinnen und Musikern, Mitwirkenden, Ideengebern, Helfenden bei Technik, Werbung, Auf- und Abbau und Bewirtung – und den Besucherinnen und Besuchern, die sich auf das Experiment eingelassen haben. Es sind zu viele, um sie einzeln zu nennen; ohne Euch gäbe es die Laboratoriumsgottesdienste nicht!

Nun richtet sich der Blick auf Windbilder der Bibel und auf die Frage, was frischer Wind heute im eigenen Leben und in der Kirche bedeuten kann – und ob die Reihe selbst noch frischen Wind bringen kann. Der Jubiläumsgottesdienst Frischer Wind“ beginnt am Freitag, 14. August 2026, um 19.30 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche Altenoythe. Die Chorifeen gestalten die Musik. Der Eintritt ist frei. Anschließend wird bei Bratwurst und Salat weitergefeiert.